((Eilmeldung)) Man in Black, Stahl trifft Backstein, und: Es war der Fuß Gottes.

Manche Tage erfordern subito einen Blogeintrag. So der heutige. Ich fasse zusammen: Dienstag, 08. August 2017. Arbeitseinsatz auf der Baustelle mit den Schwiegereltern. Ca. 11h30. Ich entblätterte per Heissluftfön den Rahmen der Tür zwischen unserem Schlaf- und dem (Posing!) Ankleidezimmer mit En-suite-Bad. Dauerbeschallung durch den Fön, dazu der liebliche Geruch Jahrhunderte alter Farbe, wenn sie warm wird. Bäh! Dann hörte ich eine Stimme, dreh mich um – hinter mir der Schwiegervater und noch weiter hinten im Flur ein vollständig schwarz bekleideter Mann, mit schusssicherer Weste, allerhand waffenähnlichem Zeugs am Gürtel und einer schwarzen Sonnenbrille. Man in Black im Sonnenhaus. Er: Juten Tag! Hamm Sie den Unfall mitbekommen?

Ganz ehrlich, da steht einer in voller Verbrecherjagdmontur auf unserer Baustelle und nimmt das Wort „Unfall“ in den Mund? Das passte nicht zusammen. Er: Naja, draußen, auf dem Kirchplatz, mit dem Auto und der Mauer. Ich: Nee. Moment.

Mauern gibt’s auf dem Kirchplatz einige. Aber das war, was ich aus sehen musste, als ich aus dem Fenster schaute.

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Ich konnte es immernoch nicht richtig zuordnen, hörte den Man in Black hinter mir aber erklären: Ja, das Auto hat sich wohl verselbständigt. Ich sage nichts. Ich denke: Trotzdem, also bitte, da gibt’s doch noch in den Boden eingelegte Längs-Poller, da rollt doch kein Auto einfach so drüber, wenn man die Handbremse nicht angezogen hat? Bis ich dann mitbekam: Die Fahrerin muss drin gesessen haben, wie das Auto sich sozusagen verselbständigte. Naja, ich fönte weiter. Dabei erinnerte ich mich an den Kommentar eines Zürcher Freundes auf die Sache mit der Schwiizer Flagge und der Touristin: Na, da kann man ja froh sein, dass sie nicht selbst gefahren und vor lauter Erstaunen in ein historisches Havelberger Haus gekracht ist. Hehe, ganz ehrlich: Das kriegen unsere Hiesigen auch ohne Schwiizer Flagge hin. Wir haben nämlich sehr selbständige Autos. Zehn Minuten später war der ADAC da und das Auto auch gleich weg. Vorher gelang es mir noch, aus der Hüfte ein Foto zu schießen.

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Der linke Frontscheinwerfer des hübschen, vermutlich recht neuen weißen Audi hatte sich in unsere Mauer gebohrt und dabei ein Loch hinterlassen, das auf den ersten Blick nicht sooo dramatisch aussah. Als der ADAC weg war, kam gleich die Stadtreinigung und holte den demolierten Papierkorb ab. Dann sah ich die Mauer ganz. Und der Gatte und Chefarchitekt sah sie auch.

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Das Bild vermag den eigentlichen Schaden nicht ganz treffend wiederzugeben. Auf guten zehn Metern Länge gibt es teils mächtige Risse und die Mauer neigt sich Richtung Garten. Sogar der Pfeiler an der Ecke zur Stege hat dem Audi noch Platz gemacht und ist etwa drei Zentimeter nach links gerutscht. Beim heutigen Schnick-Schnack-Schnuck hat Stahl eindeutig gegen Backstein gewonnen.

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Nun fragen wir uns natürlich schon ein bisschen: Wie kann das gehen, dass sich ein Auto auf einem Platz in der historischen Innenstadt, wo man maximal 30 fahren darf, derart verselbständigt, dass die Fahrerin so massiv gegen unsere Mauer knallt? Außer der Mauer wäre da noch ein Baum, ein anderes Auto oder wahlweise ein vertikaler Poller gewesen. Aber nein, es musste unsere Mauer sein – das einzige sanierte Stück Sonnenhaus, das wir vom Vorbesitzer übernehmen durften. Und wir schlafen heute Abend ein mit einer bohrenden Frage unterm Kopfkissen: War es der Fuß Gottes? Und wenn ja: Was will er uns sagen?

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