Gleisbettähnliche Zustände, charmante Fugenbastler und: Fenster, soweit das Auge blickt.

Es gab ja eine Zeit, da hab ich nicht so viel gepostet, weil einfach nix voran ging. Die letzten Wochen habe ich nix gepostet, weil so viel voran ging. Und abends kann ich dann entweder noch was am Rechner arbeiten (= Geld verdienen) oder aber Dinge tun, die halt nur eine Frau tut: Die Küche aufräumen, eine Tätigkeit, deren Effekt bereits 12 Stunden später wieder verschwunden sein wird. Oder aber lesen, was ich gerade wieder mit großer Freude tue. Die große Freude verdanke ich Juli Zeh, die auch hier irgendwo in der Gegend wohnt und in „Unterleuten“ – da bin ich ganz sicher – hat sie einfach ziemlich konzentriert aufgeschrieben, was in ihrem Dorf und drumrum halt so passiert. Und am Ende hat sie die Namen der Leute einfach per „Suchen und Ersetzen“ geändert. Und: Ich bin auch sicher, Leute die anderswo wohnen, denken, die Juli Zeh hätte sich das alles ausgedacht!

Also schön, manchmal lese ich also auch ein bisschen. Deshalb hänge ich blogtechnisch ziemlich hinterher. Seit unserem Mauerschaden (der noch schön ist wie am ersten Tag), hat sich im Sonnenhaus eine Menge getan.

Fangen wir mal dort an, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten. Mücke, der Außerirdische, hatte ja die Fugen im Mauerwerk gesäubert. Dann kamen zwei, wie wir sie noch nicht hier hatten. Aus Wolfsburg oder Braunschweig oder so – aber eigentlich und ganz ursprünglich aus dem Kosovo. Die beiden tranken Unmengen Kaffee mit Unmengen Zucker. Und sie machten Komplimente. Ehrlich, das kennt man von hiesigen Handwerkern nicht. Ihr lieben Leserinnen, die Ihr in anderen Gegenden dieser Erde wohnt und es gewohnt seid, dass Euch von Gerüsten herunter hinterher gepfiffen wird: Das gibt es hier nicht. Unbekannt, schlicht und einfach unbekannt. Nun waren die beiden natürlich nicht unhöflich und deshalb blieben sie stets und ständig höflich. Aber sie sagten mehr als nur „Moin!“ Oder: „Nee, keen Kaffe.“ Und das fand ich sehr erfrischend.

Jedenfalls: Wenn sie gerade keinen Kaffee in der Hand hatten, verfugten sie in Rekordgeschwindigkeit unser Mauerwerk. Es war der Wahnsinn! Wirklich, keine Ironie. Ich glaube, das ist eine wirklich sehr anstrengende Arbeit, noch dazu fuhren sie jeden Morgen und jeden Abend die zwei Stunden mit dem Auto von Braunschweig oder Wolfsburg oder so bis nach Havelberg.

Und das ist das Vorher-Nachher-Bild zu den Fugen. Das Sonnenhaus sieht dadurch erschreckend neu aus. Man stelle sich nur vor, wir hätten die Ziegel auch von Mücke behandeln lassen! Merke: Patina ist im Zweifel extrem schnell verschwunden!

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Außerdem haben wir die ersten neuen Fenster bekommen. Die rückwärtigen im Mauerwerk. Weil: Unser Haus ist ja hinten, an der Po-Seite Richtung Markt quasi, gar kein Fachwerkhaus, sondern einfach gemauert. Und diese Wände bekamen zuerst ihre neuen Fenster, Holz-Verbund-Fenster. Holzfenster, ich möchte es an dieser Stelle einfach mal sagen, wurden uns nicht etwa vom Denkmalamt aufgedrückt. Wir sind ja hier die Verrückten.

Und so sehen sie aus – bis das Gerüst weg ist, kann ich nur Details zeigen, in ihrer Gänze kann ich sie erst ohne Gerüst fotografieren.

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Und unser Dach ist – taataaa! – fertig. Als die Dachdecker noch die vordere linke Ecke deckten, nahmen wir regelmässig vormittags unsere Kaffeetasse und gingen auf den Kirchplatz um das Wunder in seiner Gänze zu besehen. Wattn schönet Dach! Immer hatte ich das Gefühl, es müsste sich doch dauernd jemand zu uns stellen und mit uns dieses wunderschöne Dach bewundern, aber das passierte nicht. Ich versteh das bis heute nicht.

Erstmal noch ein Bild, wie es auf dem Dachboden aussah, als die Dachdecker noch nicht fertig waren. Und das fertige Dach gibt’s zur Belohnung für alle, die diesen Blogbeitrag brav fertiglesen.

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Wobei: So ganz fertig ist das Dach doch noch nicht. Wir bauen nämlich dieses Teil noch ein. Na… was ist das wohl? Hmmmm?

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Richtig, natürlich sind alle sofort drauf gekommen. (Ich weiß doch um die Kreativität meiner Leser, gepaart mit Fachwissen.) Es handelt sich um ein Einflugloch für eine Eule. Eine Schleiereule. Wenn schon die Menschen in Sachsen-Anhalt weniger werden, dann sollen es wenigstens die Eulen gut haben. Deshalb dürfen wir uns beim Umweltamt des Landkreises Stendal einen Schleiereulenkasten abholen (was wir in Kürze tun werden) und den auf den Dachboden stellen. Und wenn man dann so ein hübsches Einflugloch hat, dann nistet bei uns hoffentlich bald eine Schleiereule. Und die fängt dann Mäuse.

Ansonsten haben wir vor allem vor dem Tag des Offenen Denkmals wirklich gekämpft bis zum Umfallen. Wir haben Wände verputzt. Und deshalb nochmal ein vorher-nachher-Foto.

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Die mit Abstand meisten Nerven hat aber die Sache mit dem Boden gekostet. Weil nämlich keine Dämmung unter dem Beton war, musste der Beton raus. Das war eine Sauerei! Ehrlich, ich hab’s dem Chefarchitekten des gesamten wunderbaren Vorhabens dann auch gesagt: Wenn er das am Anfang dieses Unterfangens gemacht hätte – ich hätt‘ gesagt, dass wir auf der Stelle aufhören und das Ganze sein lassen. Zum Glück für den Beton und den Glasschaumschotter und überhaupt das ganze Haus sind wir schon so weit, dass ich eine extreme Duldsamkeit entwickelt habe. Man denkt am Anfang ja immer, dass das alles viel schneller geht. Bauen geht aber nicht schnell. Bauen dauert. Bauen heißt warten. Auf die Baugenehmigung. Auf die Handwerker. Auf die Fensterlieferung. Auf allerlei Dinge halt. Und manchmal auch darauf, dass Geld in der Kasse ist, damit man Handwerker bestellen kann. Auf die man dann wieder wartet.

Also schön, jetzt folgen ein paar Bilder von der Odysee mit dem Boden.

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Nicht schön! Nochmal drei Container – oder so ähnlich. Dann füllten wir Glasschaumschotter ein. Ganze 24 Kubikmeter. Die Lieferung derselben kostete uns eine Menge Nerven, weil 24 Bigpacks, je 1x1x1 Meter groß, von Miltern bei Tangermünde innerhalb von zwei Werktagen hierher nach Havelberg transportiert werden mussten. In der Woche vorm Pferdemarkt. Aber genau das war unser Glück. Weil: Am Donnerstag vorm Pferdemarkt fand erstmals seit was-weiß-ich-wieviel-Jahren wieder eine Pferdemarkt-Hochzeit statt. Wobei: Es war nicht eine Hochzeit, sondern gleich drei. Und deshalb war für den gesamten Donnerstagvormittag auf dem Havelberger Markt Parkverbot, also auf unserer Anlieferzone. Bloß: Der Platz wurde erst ab 10 Uhr wirklich gebraucht. Na, was passierte vor der Heiraterei? Richtig: Abladen von 24 Kubikmeter Glasschaumschotter mit allem Platz der Welt. Ist das nicht ein Traum? Und so sah die Gleisbettschüttung im Sonnenhaus dann aus.

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Man hätt’s glatt so lassen können. Trotzdem haben wir dann wieder Estrich drauf gemacht – und damit sah es aus wie vorher. Alles umsonst also.

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Wobei: Eine erhebliche Verbesserung hat sich ergeben – das Speisezimmer ist als solches benutzbar. Und es ist staubfrei. Das ist ein großer Schritt. Vom Staub kann ich ein Lied husten. Ehrlich. Aber Achtung: Ich rede hier ausdrücklich nicht von fertig! Aber es ist  gemütlich (man muss dabei immer bedenken, von welchem Niveau man kommt!) … wenngleich der Tisch, den ich immer für riesig hielt, jetzt aussieht wie ein zu klein geratenes Küchentischchen. Was auf dem Bild nicht auffällt, wie ich gerade feststelle.

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Außerdem haben wir immer und immer wieder und im Akkord Türen und Rahmen von vielen, vielen Schichten Farbe befreit. Meine Eltern waren eine Woche lang da und mein Vater ist der wirklich präziseste und geduldigste Türenabföhner unter der Sonne. Wobei die Führungsposition stets und ständig angegriffen wird von meiner Schwiegermutter. Echt jetzt! Ein Hoch auf Papa! Und auf die Schwiegermutter!

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Und hier noch das Foto eines hübschen kleinen Kunstwerkes, das dem geduldigen Ausmalen und Ausschneiden vieler Kinder zum Tag des Offenen Denkmals für uns gestaltet haben.

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Beim nächsten Mal geht’s dann weiter mit den Kastenfenstern, die drei wenig wortkarge Handwerker mit nooorddeutschem Schnack gerade laut schimpfend die Treppe hochtragen. Aber immernoch bei bester Laune – muss ja, weil bei so’m Schietwetter, da arbeitet sich das gleich viiiiiel besser. Insgesamt 24 Stück mit je einem Innen- und einem Außenfenster. Und beide schweineschwer, wie mir die Stimmen aus dem Hausflur hinter mir immer wieder bestätigen.

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Und zuletzt die das versprochene Lichtbild unseres Daches. Wir haben keine Mühen gescheut – und sind extra auf den Kirchturm geklettert. Schade, dass das Wasser rund um die Stadtinsel dabei nicht zu sehen ist. Aber kommt einfach her, wir zeigens Euch!

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2 Gedanken zu “Gleisbettähnliche Zustände, charmante Fugenbastler und: Fenster, soweit das Auge blickt.

  1. Moin aus Mecklenburg!

    Die schönen Fenster, darf man Mal fragen wer die gebaut hat? An schönen klassischen Kastenfenstern sind wir schon eine Weile interessiert, suchen aber noch nach einem Tischler der darauf Lust hat.

    Freundliche Grüße
    Andreas

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    • Hallo Andreas, Danke für das Kompliment! Die Tischlerei Schultz aus Kaarßen (www.tischlerei-schultz.de) war unser Partner für die Fenster. Um einem Haus zu solch schönen „Augen“ zu verhelfen, fahren die Jungs sicher auch bis Mecklenburg…

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